Monika Meinold

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 o.T. 1995



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Reihe oben links

o.T., 1995, Objekt zur Zeichenperformance/nach J. Alain/Trois Danses

gebrannter Ton, weiß glasiert, Glasfarbe, rot auf Glas, 160 x 170 x 70 cm


Reihe oben rechts
Zeichenperformance/15.08.1995, Trois Danses, J.Alain, St.Petri-Kirche, Cuxhaven


Reihe unten links/Mitte
Objekt/Detailaufnahmen

Reihe unten rechts
Zeichenperformance/15.08.1995


Fotos: Norbert A. Müller



 
Anmerkungen zur Zeichen-Performance TROIS DANSES

Ausgangsmaterial für meine Arbeit war das Werk von Jehan Alain (1911-40) mit dem Titel TROIS DANSES.
Der Komponist schrieb diese drei Tänze : JOIES = Freude, DEUILS = Trauer und LUTTES = Kampf auch als Orgelwerk während des 2. Weltkrieges.
Es war sein letztes Werk. Die drei Tänze umfassen drei Bereiche menschlicher Existenz: Ungebrochenheit, die Erfahrung des Schmerzes und die Vereinigung dieser Gegensätze.
Vor diesem Hintergrund habe ich mit dem hiesigen Organisten in der Kirche St. Petri - Kirche, Cuxhaven das Werk von Jehan Alain künstlerisch bearbeitet.
Die TROIS DANSES wurden vom Organisten zweimal vorgetragen.
Beim ersten Vortrag entstanden im Gleichklang mit der Orgelmusik Zeichnungen, die mit Hilfe eines Tageslicht - Projektors auf eine Großleinwand projiziert wurden.
Ich habe die Zeichnungen mit einem roten Faserstift auf zwei Glasplatten übertragen, der erste und zweite Teil der TROIS DANSES auf eine und der dritte Teil auf eine weitere Glasplatte.
Die Zeichnungen bestehen aus diversen Schriftsymbolen, die ich während einer Zeitspanne von drei Monaten nach der Musik erarbeitet habe.
Ein dazugehöriges Objekt wurde dann, lediglich für den Zeitraum der Pause, mit den so entstandenen Zeichnungen ergänzt. Danach wiederholte der Organist das Orgelwerk.
Kontinuierlich zur Musik habe ich die Zeichnungen, welche einer eigenen Zeichenpartitur gleichen, durch Auslöschen des zuvor Entstandenen, wieder an ihren Ursprung zurückgeführt.
Durch das erneute Eingliedern der jetzt leeren Glasplatten in das Objekt, wurde die Performance beendet.




zum Objekt TROIS DANSES

Im direkten Zusammenhang mit der zeichnerischen Erarbeitung des Orgelwerkes ist ein Objekt entstanden.
Für den Entstehungsprozess des Objektes war eine intensive Auseinandersetzung mit der Biographie Alains ausschlaggebend.
Während seines Einsatzes an der Front, etwa einen halben Monat vor seinem Tod, schrieb Alain am 9. Januar 1940:

...Im Augenblick hält mein Lastwagen in einem riesigen Wald. Der Boden ist weiß, die Bäume rot. Heute brauche ich Klarheit und Einfachheit. Dieser Wald gibt mir mehr als ich erhoffte.
Er ist nicht tot, er schläft nur. Diese Straße vor mir ist gerade. Alles Weiße ist horizontal, alles Rote vertikal. Welche Stille!
Zum ersten Mal seit fünf Monaten höre ich an meinem Arm das Ticken der Uhr, und es lässt mich daran denken, dass die Minuten vergehen, oder besser, dass die Zukunft herannaht.
Nichts ist so teuer an Geld und an Geduld wie unser Innehalten in diesem Moment.
Nichts vermag unseren Stolz, meinen Stolz, besser zu züchtigen als dieser Gedanke: Wir sind nicht notwendig, wir leben im Hintergrund.
War ich verrückt genug zu glauben, niemand anders könnte meinen Platz einnehmen!
Ich bin nur ein kleiner roter Baum zwischen anderen roten Bäumen.
Wie sie erhebe ich mich vom Schnee zum Himmel, werde nach und nach größer, und wenn kein Holzfäller kommt, den Platz zu reinigen, trockne ich aus ...

Angeregt durch diesen Brief von Alain formte sich die Gestalt des Objektes, welche im Kontext zu den TROIS DANSES steht.
Das Objekt besteht aus Ziegelsteinen, die auf der Oberfläche weiß glasiert sind.
Jeder Stein wurde von zwei sich überkreuzenden Linien einzeln genutet. Die Nut dringt ca. 4 cm tief in den Stein hinein.
Zum Kern oder zur Mitte der gesamten Objektfläche hin, wird die Nutstärke dreifach breiter.
Auf jede Glasplatte steht ein mit roter Glasmalfarbe aufgetragenes Schriftsymbol , das aus der Gesamtzeichnung (Tageslichtprojektion) der TROIS DANSES entstanden ist.
Die Glasplatten stehen in unterschiedlicher Anzahl und Stärke in den Steinrillen.
Durch die Vielzahl von nebeneinander geschichteten Gläsern und Steinen, sowie das Neben- und Übereinander wirken von Schriftsymbolen, sind die Grundelemente des menschlichen Daseins, die in den TROIS DANSES abgehandelt werden, im Objekt visuell verwirklicht.

 © M.Meinold